Die Pförringer Vogelspinne
Unser Erlebnis in Pförringen vom letzten Freitag: normale Fahrt, etwas behäbig, große Hitze. Festivalgelände liegt versteckt im Wald und ist entspannt und sehr schön. Ein kleiner Weiher, riesige Libellen und generelle gute Laune. Essen mittelmäßig, Getränke spitze. Niklas springt in den Weiher und merkt zu spät, daß das Wasser stinkt. Er jetzt auch: wie ein faules Obst. Alle anderen waten nur bis zu den Knien und essen im Wasser stehend Fruchtsalat, Stefanie und ich bewerfen Niklas mit Steinen. Bauch gibt 10 Punkte, Kopf einen Strafpunkt.
Die erste Band heißt Exzess, junge Männer, die alten Hardrock spielen, wir sind erstaunt, wie so junge Leute so eine Musik machen können, als wären die 80er-Jahre und ihr breitbeinig-schnauzbärtiger Männerrock nie als überkommen entlarvt worden. Dann wir. Nerviger Soundcheck, einer der Techniker macht nicht, wie wir es uns wünschen sondern wie er es kennt, wagt einerseits zu Stefanie Dinge zu sagen wie ‘Du hast doch eh keine Ahnung’, kann selber aber nicht den Unterschied zwischen In- und Output begreifen. Bislang hatten wir ja immer Glück und den Mädchen in der Band wurde immer genauso begenet wie den Jungs, leider bricht dieser Idiot unsere machofreie Techniker-Geschichte. Naja. Er meint es vermutlich nicht böse. In seinem GTI-Verein haben Mädchen aber nun mal genausowenig verloren wie in seiner Vorstellung von Rock (und da wären wir wieder bei überkommenem Denken. Hätten wir so was ahnen müssen bei einem Festival, das Bonfire als Headliner hat?).
Beim ersten Stück ist der Sound sehr irreführend und wir kurze Momente frustriert, reißen das Ruder aber herum und bekommen vom Monitormischer eine angenehme Mischung, die uns sicher durch unsere Songs navigieren lässt. Abgesehen von dem bescheuerten Die Happy-Gitarrenroadie, der während des Konzerts immer über unsere Bühne läuft, als stünde da keine Band (zumindest keine, die er in seiner Hardrockwelt ernstnehmen müsste – er ist doch schließlich der Gitarrenroadie von… Die Happy) macht die Show wirklich Spaß und wir schaffen es tatsächlich, das anfangs leergefegte Gelände ein wenig anzufüllen und die Zuschauer wirken so gutgelaunt wie wir gegen Ende. Wir spielen auch unseren neuesten Song, der noch keine 24 Stunden alt ist und sind sehr zufrieden. Danach weiter rumhängen. Klaus, einer der Veranstalter, ist sehr zuvorkommend und nett, leistet uns angenehme Gesellschaft und trägt zur Pförringer Ehrenrettung bei; er teilt das Leid, das wir mit den Technikern haben, da die gesamte Crew (nicht Band) von Die Happy sich wie Könige aufführen, ebenso gestern die Band Bonfire, die betrunken von der Bühne aus Streit anzettelten. Dann noch ein Interview und erstmal im Hotel einchecken.
Am Landgasthof Braun findet heute auch das Dorffest von Imbath statt, einem 300-Seelen-Ort. Im Ballsaal ein Alleinunterhalter mit Keyboard, er spielt Viva Colonia und ACDC, alles ist drin in seinem Keyboard. Dazu tanzt man, indem man regungslos im kreis steht und manchmal die Faust gen Decke reckt. Wir machen mit. Draußen Bierbänke und Bierkästen, letztere werden gestemmt, ein interessanter Sport, an dem wir später teilnehmen werden. Erst gehen wir die Gegend erkunden (die Hüpfburg auf dem Gelände sei hier ausgeklammert, obwohl wir auch hiermit experimentieren), machen angetrunken ein Schaukelturnier und singen laut ‘Schauk, Schauk, let it all out’ von Tears For Fears, ein alter Superhit übers Extremschaukeln, essen Weizen vom Feld und zurück zum Dorffest. Der Saufzwang ist gnadenlos. ‘Nein danke, ich trinke kein Bier’ oder ‘ich hatte eigentlich schon genug’ wird hier stets als Witz verstanden und die Bierkrüge werden im Akkord nachgereicht. Wir finden neue Freunde, die uns über Mikrofon als Ehrengäste vorstellen. Anführer ist Markus, der voller Ehrfurcht von einem Bekannten aus dem Bayern-Fanclub erzählt, einem starken Alkoholiker, der täglich 40 Liter Bier trinkt. Einen Trademark-Trick seines Kompagnons führt er uns vor: einen vollen Maßkrug mit den Zähnen hochkippen und trinken. Als Bekannte rufen ‘Moarkus, was mochst da für an Scheiß!’ ruft er aufgepeitscht zurück ‘I bin extrem! Nur extrem is geil!’. Ein bockstarkes Lebensmotto. Sabrina macht Cocktails und die zweite Runde Caipirinha ist sehr stark, wir müssen husten. Sie dann: ich hab mir gedacht, ihr könnt jetzt einen RICHTIGEN Drink gebrauchen. Zum Festival gehen wir nicht zurück, wir haben das Gefühl, daß wir hier auf einer noch besseren Party sind und geben Benni bereits den Auftrag, einzufädeln, daß wir nächstes Jahr wieder aufs Dorffest kommen können. Gute Nacht Imbath, nur extrem ist geil.
Die Pförringer Vogelspinne aus der Überschrift war nur ein Teaser. Sie ist eine von Benni erfundere lokale Weinsorte, als er Fremdenführerkenntnisse vortäuschte und angesichts eines Hopfenfeldes die hervorragende Weine der Gegend lobte.






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