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Intro Intim in Köln & Berlin: Karpatenhund an der physikalischen Grenze

21 März 2007 No Comment

Berlin, 14.03.2007

Diesmal dachten wir, dass wir nur hier und da etwas ändern müssten um in Berlin mal ein richtig prima Konzert zu spielen. Deswegen hatten wir uns vorher noch fleißiger als sonst in den Proberaum zurück gezogen, in Form von einem Drum-Pad für Claire ein weiteres Instrument dazu gekauft (Instrumente kaufen hat eigentlich immer gute Folgen), uns eine neue Banduniform ausgedacht, unseren eigenen Lichttechniker angeheuert und waren zudem noch einen Tag früher los gefahren um ganz entspannt anzukommen.
Um gleich ganz ehrlich zu sein: Geholfen hat das alles nur bedingt. Durch ein Interview aufgehalten kamen wir doch erst in letzter Minute am Maria am Ufer an, war aber auch egal, weil sich alles verspätete und Polarkreis 18 noch lange Soundcheck machten. Genau wie wir hatten sie die Idee, dass es doch schick wäre, mit eigenem Licht anzureisen. So gibt es erstmal viel mehr Kram, als Bühne und Stromkreis zumuten kann. Kümmert uns aber kaum: Der Soundcheck ist furchtbar anstrengend und am Ende gehen wir nur halb zufrieden von der Bühne.
Im Grunde könnte man an dieser Stelle auch einfach vorspulen und sagen: ein paar Stunden später haben wir gespielt und dann gingen wir schon wieder nur halb zufrieden von der Bühne. Vielleicht ist es auch das Beste so. Dann werden zwar keine großen Worte darüber verloren, dass es Spaß machte, ein Interview mit MTV Overdrive zu machen und wie gut es sich anfühlte, einigermaßen sinnvoll beleuchtet zu werden, dabei Banduniform zu tragen und was für ein Vergnügen es war, mit Konfetti zu schießen. Aber dann muss eben auch nicht lang und breit darüber geschrieben werden, wie wir uns auf der Bühne unwohl fühlten weil aus den Monitoren nur ziemlicher Quatsch kam und keiner so recht sinnvoll hören konnte und wir deswegen ein bisschen zu sehr mit uns beschäftigt waren um das träge Publikum aufwecken zu können. Am Ende also wieder ein durchwachsenes Konzert in Berlin. Noch mal soll, kann und darf das aber wirklich nicht passieren. Kann doch nicht sein, dass unser bestes Konzerterlebnis in dieser Stadt eines bleibt, bei dem mitten im Konzert der Strom auf der Bühne ausfiel.

Berlin – Köln, 15.03.2007

Am Morgen wachen wir noch etwas müde auf, der Vorabend wurde noch ganz lang. Björn, Stefanie und ich waren bei unseren Freunden Sebastian und Benjamin von der Band Sternbuschweg untergekommen, so daß wir uns noch ausführlich verabschieden und dann mit unseren Sachen zum Auto runter gehen. Einmal aufgeschlossen wollen wir unsere Taschen durch die Hecktür einladen, merken aber, dass unser Gepäck durcheinander ist. Beunruhigt gehen wir noch schnell zum Bäcker (Brötchen kaufen hat ja, ähnlich wie Instrumente kaufen, eigentlich immer gute Folgen) und fragen uns, ob unser Auto von Geistern heimgesucht wurde. Die Lösung ist, wie wir später finden, viel einfacher und noch unheimlicher: In der Nacht wurde an einer belebten, gut beleuchteten Kreuzung unsere Tür aufgebrochen und Leute stiegen ein. Zum Glück wurde scheinbar nichts gestohlen (das letzte Mal, als in den Bus eingebrochen wurde, stahl man uns die Rückbank, wir haben es anscheinend grundsätzlich mit exzentrischen Einbrechern zu tun) aber Ärger und Unwohlsein wegen des Einbruchs in unsere Privatsphäre sind trotzdem groß. Außerdem vertrödeln wir die Zeit, die wir durch zeitiges Aufstehen gewinnen wollten, jetzt mit einem Besuch bei der Polizei und wissen schon bald: Auch heute wird das nichts mit dem pünktlichen Eintreffen zum Soundcheck. Das erfüllt uns ein bisschen mit Sorge, ist das Gebäude 9 doch allgemein für einen etwas schwierigen Sound bekannt.
Ganz geschlagen geben wir uns trotzdem nicht und fahren in absoluter Rekordzeit nach Köln. Dort wartet André auf uns, der heute unser eigener Mischer ist. Was für ein Genuss es ist, mit jemandem zusammen zu arbeiten, der sich wirklich Mühe gibt, merken wir schnell. Denn obwohl erstmal einige Geräte kaputt gehen fühlen wir uns bald wohl auf der Bühne und hören uns so gut wie selten zuvor. Da kümmert es uns auch nicht, dass die Leute vom WDR Rockpalast uns eröffnen, dass wir heute vor allem in gleißendem weiß beleuchtet werden, damit die Kameraleute besser arbeiten können.
Die Wartezeit bis zum Konzert vergeht schnell, ein paar von uns genießen es, daheim zu duschen, es sind noch ein paar Interviews zu geben, die allesamt auf ihre Weise interessant sind, und dann stehen wir schon Backstage versammelt, ruinieren den Zeitplan indem wir Polarkreis 18 auffordern, den Rufen nach Zugabe doch nachzukommen und sind etwas aufgeregt. Vor allem Claire, denn Teile ihrer Familie und Leute aus der Nachbarschaft, in der sie aufwuchs, sind heute da. Und obwohl irgendein Heini beim Umbau vergaß, Stefanies Monitorbox anzuschließen, macht es heute eigentlich von Anfang an Spaß. Ein paar Leute in der ersten Reihe tragen Karpatenhund T-Shirts, ein paar andere erfinden Tänze, noch ein paar andere entdecken wir (im gleißenden Licht des WDR, das sich auch über die ersten Publikumsreihen erstreckt) dabei, wie sie mitsingen. Oder zumindest die Lippen so bewegen als würden sie es tun. Entsprechend beflügelt lassen wir uns auch mal zu ZZ Top hinreißen während Claire mit einer Energie Drum-Pad spielt als sei sie Lars Ulrich (der es allerdings nicht hinkriegen würde, zwischendurch noch zu singen und zu tanzen. Zumindest nicht so, dass jemand zuhören oder zusehen wollen würde). Am Ende gehen wir ganz zufrieden von der Bühne und lassen uns gerne bitten, noch ein Stück zu spielen. Schließlich ist das einer der Abende, an denen ganz klar ist, warum man in einer Band spielt. Wo sonst können am Ende des Tages blöde Vortage, aufgebrochene Autos und angestrengte Fahrereien so leicht vergessen sein? Während wir einladen nehmen wir ganz zufrieden Lob von völlig Fremden und den angereisten Freunden an und freuen uns, dass sie sich mit uns freuen. Wir können nicht genau sagen warum, aber für den Moment fühlt es sich so an, als müsse das Jahr von nun an richtig gut werden.

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