Goodbye Iain Burgess
Der Locas-Ausflug nach Schottland ist beendet, wer sich für Details interessiert: auf der LIL-Homepage sind Links zum Tagebuch, das für RollingStone.de geführt wurde.
Heute haben wir die traurige Nachricht erhalten, daß Iain Burgess letzte Woche gestorben ist. Iain war zusammen mit Peter Deimel Herz und Seele des Studios Black Box in Frankreich. Wir hatten zwei mal (im Herbst 2006 und Sommer 2008, für die Aufnahmen der beiden Karpatenhund-Alben) das Vergnügen, auf dem herrlichen Bauernhof zu wohnen und dort mit Iain viel Zeit zu verbringen. Steve Albini hat einen schönen Nachruf auf Iain geschrieben, dem man kaum etwas hinzufügen muß.
Daß Iain nicht mehr da ist, ist ein riesiger Verlust. Die Vorstellung, daß er nicht mehr liebevoll fluchend nach den Enten im Teich sieht, seinen nuß- und eifressenden Hunden oder all den anderen Tieren, die immer mehr wurden und zu dem schimpfenden Mann kamen als habe er eine Arche gebaut. Es ist eine Ehre, Iain gekannt zu haben, mit ihm getrunken, ferngesehen, gegessen zu haben, von ihm das Petanque-Spiel beigebracht bekommen zu haben, zusammen alte Fotoalben angesehen zu haben.
Iain hat bei jedem, den er getroffen hat, einen tiefen Eindruck hinterlassen. Man mußte nur fünf Minuten in seiner Nähe stehen um ihn für immer ins Herz zu schließen, wirklich wahr. Als wir das erste mal zu Besuch waren, waren wir gerade ganz frisch aus den USA zurück, hatten dort das erste mal mit den Locas getourt und das Album SAURUS gemixt. Zusammen mit Iain hörten wir es uns auf seinen überlebensgroßen Lautsprechern an, bei aufgerissenen Türen. Es war eine sternenklare Nacht und sie wurde sehr lang und immer lauter, je mehr sich Iain in Fahrt brachte und auf moderne Aufnahmetechniken und zu viel Kompression schimpfte, die Rick Rubin auf Johnny Cashs letzte Platten klatschte. Unvergeßlich war das.
Beim letzten mal hatte er sich ein Protools-System besorgt und arbeitete sich ein, indem er Musik abmischte, die sein Bruder aufgenommen hatte. Tagelang dröhnte das eine ACDC-artige Riff aus seinem Haus. Auch eine schöne Erinnerung. Hoffentlich wurde er fertig und hoffentlich war sein Bruder so begeistert wie wir es waren als er (zusammen mit seinem Freund und Partner David Odlum) für uns ein paar Songs mixte. Zwei davon möchten wir hier zum kostenlosen Download anbieten, in Erinnerung an sein Talent und sein wunderschönes Feuer, das seit Donnerstag nicht mehr brennt. Mach es gut, lieber Iain. Wir werden dich vermissen und niemals vergessen. Oder wie du selber sagen würdest: you fucking died? Get out, you fucking shit.

Hier das zip mit den beiden nie regulär veröffentlichten Songs:
Karpatenhund: Trinklied
Locas In Love: Avoid Karmic Disaster (Get Your punishment Now)
oder als ungezippte mp3s hier und hier.
Hier ein weiteres Bild aus dem Sommer 2008. In rot: Niklas und Björn, gegenüber Tobias Deitmer, Peter Deimel und Iain.







Solche Nachrufe berühren mich immer irgendwie, auch wenn ich evtl. rein gar nichts mit den Personen verbinden kann. Schön einen der für mich besten KH-Songs in einem bisher unbekannten Gewand zu hören (und schön auch auf http://www.locasinlove.com zu lesen, dass der Locas-Song “Schieß doch, Bulle”, der mir als Titel im Kopf rumschwirrte, seit ich davon mal in einem Newsbeitrag gelesen habe, bald endlich veröffentlich wird und die ominöse 12″ doch nicht gestorben ist). Beste Grüße an alle.
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